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18. Juli 2018 | WV Stahl-Präsident Hans Jürgen Kerkhoff im Interview

Ausblick Stahl: „US-Strafzölle sind inakzeptabel“

Hans Jürgen Kerkhoff, Präsident der WV Stahl, fordert im recyclingnews-Interview eine schnelle Entscheidung der WTO zu den US-Strafzöllen auf Stahl.
WV Stahl-Präsident Hans Jürgen Kerkhoff im Interview

Ausblick Stahl: „US-Strafzölle sind inakzeptabel“

Seit Juni 2018 gelten die Strafzölle der USA auf viele Produkte aus dem Ausland, darunter auch Stahl. Bereits im Juli sind die Auswirkungen dieser Zölle – und die internationale Verunsicherung – auf dem Stahlmarkt spürbar. Im recyclingnews-Interview erklärt Hans Jürgen Kerkhoff, Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl, mit welchen Schutzmaßnahmen sich langfristige Negativfolgen vermeiden lassen. Unter anderem fordert er eine schnelle Entscheidung der Welthandelsorganisation WTO und setzt auf Zollkontingente, um Verzerrungen am Markt zu kompensieren.

Herr Kerkhoff, vor einem Jahr prognostizierten Sie negative Auswirkungen der US-Handelspolitik auf den Stahlmarkt. Was bedeuten die aktuellen Entwicklungen für Deutschland und Europa?
Hans Jürgen Kerkhoff: Die US-Strafzölle wirken sich bereits negativ auf die Stahlindustrie in der Europäischen Union aus. Besonders gravierend sind Umlenkungen der für den US-Markt bestimmten Mengen in die Europäische Union aus Ländern wie der Türkei und Russland. In den ersten vier Monaten dieses Jahres sind die Stahleinfuhren in die EU bereits um knapp zehn Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum gestiegen. Hinzu kommt noch die direkte Betroffenheit von Unternehmen bei Exporten aus Deutschland und der EU in die USA.

Belastbare Schätzungen zur Höhe dieser Schäden sind allerdings erst in einigen Monaten möglich. Jetzt sind die Europäische Kommission und die Bundesregierung gefordert, weitere Schäden für die Stahlindustrie abzuwehren.

Welche Mittel kann und sollte die Politik in Deutschland und auf europäischer Ebene einsetzen, um die Gefahr einer wirtschaftlichen Negativspirale abzuwenden?
Hans Jürgen Kerkhoff: Die US-Strafzölle sind in ihrer Begründung und Höhe inakzeptabel. Das daher eingeschaltete Schiedsgericht der Welthandelsorganisation WTO muss schnellstens eine Entscheidung treffen. Vordringlich ist aber jetzt, dass die Politik die notwendigen Maßnahmen ergreift, um die Stahlindustrie in der EU vor den zu erwartenden Handelsumlenkungen zu schützen.

Ein entsprechendes Schutzklauselverfahren ist eingeleitet. Dieses muss jetzt konsequent und den Regeln der WTO entsprechend umgesetzt werden. Werden die Maßnahmen intelligent ausgestaltet, etwa mit Hilfe von so genannten Zollkontingenten, können die durch die US-Maßnahmen entstandenen Verzerrungen zumindest im Grundsatz neutralisiert und eine Negativspirale vermieden werden.

Mit Blick auf die deutsche Recyclingindustrie – welchen Effekt haben die internationalen Entwicklungen auf die Stahlrecycler und ihrer Produkte?
Hans Jürgen Kerkhoff: Die Stahlindustrie in Europa droht durch die US-Strafzölle massiv beeinflusst zu werden. Infolgedessen werden Effekte auch auf die Beschaffungsseite und somit ebenso auf die Recyclingwirtschaft ausstrahlen. Die Auswirkungen sind allerdings zum jetzigen Zeitpunkt noch unklar.

Herr Kerkhoff, vielen Dank für diese Einschätzung. (KR)

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(Foto: Stahl-Zentrum, Düsseldorf/Wilfried Meyer)

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