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25. April 2012 |

BDE reicht Beschwerden bei EU-Kommission ein

Der BDE hat bei der EU-Kommssion Beschwerden gegen das Kreislaufwirtschaftsgesetz eingereicht.
Verband stemmt sich gegen Neuordnung des Kreislaufwirtschafts- und Abfallrechts in Deutschland

25.04.2012 – Wenige Wochen vor dem Inkrafttreten des Kreislaufwirtschaftsgesetzes zum
1. Juni 2012 hat der BDE (Bundesverband der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Rohstoffwirtschaft e. V.) bei der Europäischen Kommission zwei Beschwerden gegen die Neuordnung des Kreislaufwirtschafts- und Abfallrechts in Deutschland eingereicht.

Die erste Beschwerde richtet sich direkt gegen das von Bundestag und Bundesrat im Februar 2012 beschlossene Kreislaufwirtschaftsgesetz. Nach intensiver Auswertung und juristischer Prüfung sei man zu der Überzeugung gelangt, dass das Gesetz gegen die Warenverkehrsfreiheit und die Niederlassungs- bzw. Dienstleistungsfreiheit nach dem Vertrag über die Arbeitsweise der Europäischen Union sowie gegen die europäische Abfallrahmenrichtlinie verstößt, schreibt der BDE in einer Pressemitteilung.

Durch die Regelung des kommunalen Zugriffs auf getrennt erfasste Siedlungsabfälle zur Verwertung und den damit verbundenen Restriktionen für die gewerbliche Sammlung werde sowohl die Warenverkehrsfreiheit für Abfälle unzulässig eingeschränkt als auch die Niederlassungs- bzw. Dienstleistungsfreiheit für private Unternehmen beschränkt, argumentiert der Verband weiter.

Das Kreislaufwirtschaftsgesetz verstößt nach Auffassung des BDE gegen die europäische Abfallrahmenrichtlinie, da es die von Brüssel vorgegebene fünfstufige Abfallhierarchie für Deutschland konterkariert, indem die thermische Verwertung (Stufe 4 der Abfallhierarchie) pauschal mit der Vorbereitung zur Wiederverwendung und mit dem Recycling (Stufen 3 und 4 der Abfallhierarchie) in den Fällen gleichgesetzt wird, in denen der Heizwert des betreffenden Abfalls mindestens 11.000 Kilojoule pro Kilogramm beträgt. Diese Heizwertklausel werde dazu führen, dass an sich für die stoffliche Verwertung geeignete Abfälle in großen Mengen verbrannt würden. Ursache hierfür sei, dass die deutschen Müllverbrennungsanlagen voraussichtlich zu mehr als 80 Prozent den Status als Verwertungsanlagen (nach der R1-Formel der Abfallrahmenrichtlinie) erhalten würden, so dass die Verbrennung grundsätzlich als Verwertung geite und damit auf einer Stufe mit dem Recycling stehen würde, führt der BDE weiter aus.

Die zweite BDE-Beschwerde zielt speziell auf den Verstoß gegen das EU-Wettbewerbsrecht durch die Überlassungspflichten für getrennt erfasste Haushaltsabfälle zur Verwertung und die Restriktionen der gewerblichen Sammlung. Diese Beschwerde sei eine inhaltliche Ergänzung zur bereits im Jahr 2009 vom Verband eingereichten Beschwerde gegen das sogenannte Altpapierurteil des Leipziger Bundesverwaltungsgerichtes vom 18.06.2009.

Das Kreislaufwirtschaftsgesetz sollte ursprünglich die auch nach Auffassung der Bundesregierung europarechtlich problematische Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichtes korrigieren und das europarechtlich gebotene Maß an Wettbewerb um getrennt erfasste Verwertungsabfälle aus privaten Haushalten gewährleisten. Dazu sei es jedoch infolge der Änderungen, die Bundestag und Bundesrat in der Endphase des Gesetzgebungsverfahrens vorgenommen haben, nicht gekommen. Im Gegenteil: Das neue Kreislaufwirtschaftsgesetz gewähre den öffentlich-rechtlichen Entsorgungsträgern ein faktisches Monopol auf die getrennten Verwertungsabfälle aus Privathaushalten und zementiere so das Leipziger Urteil, kritisiert der BDE.

„Wir sind zuversichtlich, dass wir mit unseren Beschwerden in Brüssel Erfolg haben werden“, sagt BDE-Präsident Peter Kurth. „Die EU-Kommission hat in den vergangenen Monaten mehrfach signalisiert, dass sie sowohl das Leipziger Altpapierurteil als auch diverse Regelungen im neuen Kreislaufwirtschaftsgesetz für nicht europarechtskonform hält. Neue kommunale Monopole und die damit verbundene Beschränkung der gewerblichen Sammlung verstoßen klar gegen die Regeln von freiem Markt und fairem Wettbewerb. Die Tatsache, dass ausgerechnet der Recycling-Weltmeister Deutschland die auf mehr und besseres Recycling abzielende fünfstufige Abfallhierarchie auszuhebeln versucht, dürfte in Brüssel auf deutlichen Widerspruch stoßen. Die Bundesregierung sollte sich darauf einstellen, dass sie schon bald mit einem weiteren Vertragsverletzungsverfahren konfrontiert sein wird“, führt der Verbandspräsident weiter aus.

Quelle: BDE/www.bde-berlin.org

(Foto: Fineas/fotolia.de)

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