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9. November 2011 |

Der Wandel – Private Entsorgungs- und Recyclingwirtschaft im Spiegel der Zeit

Für die Festschrift zum 50-jährigen BDE-Jubiläum haben Dr. Axel Schweitzer und Dr. Eric Schweitzer einen Beitrag über Ensorgung und Recycling im Spiegel der Zeit verfasst.
Beitrag von Dr. Axel Schweitzer und Dr. Eric Schweitzer zur Festschrift zum 50-jährigen Jubiläum des Bundesverbandes der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Rohstoffwirtschaft e.V.

09.11.2011 – Im letzten Drittel des vorigen Jahrtausends kamen erstmals die Überlegungen zu Müllabfuhr und Straßenreinigung auf. Vor allem Seuchen und Krankheiten, verursacht durch die Ansammlung von Unrat jeglicher Art, sollten vermieden werden. In dieser Gefahrenabwehr liegt der Ursprung unserer modernen Entsorgungs- und Recyclingwirtschaft, wie wir sie heute kennen. Mittlerweile hat sich unsere Branche zu einer weltweit führenden High-Tech-Wirtschaft entwickelt, die die Industrie mit Rohstoffen versorgt. Die deutsche Recyclingwirtschaft ist heute ein wirtschaftlicher Treiber, ein Motor für Entwicklungen und einer der größten und effektivsten Klimaschützer Deutschlands.

Abfall-Entsorgung als Gefahrenabwehr. Denkt man zurück an die Zustände im 16. bis 19. Jahrhundert, ist es kein Wunder, dass darin der Ursprung der modernen Entsorgungs- und Recyclingwirtschaft liegt. Damals lebten die Bürger mit Dreck und Schmutz auf den Straßen. Krankheiten und Seuchen machten sich breit, so dass irgendwann im 19. Jahrhundert die ersten Vermutungen aufkamen, dass es eine Verbindung zwischen dem Schmutz auf den Straßen und den Seuchen geben müsste. Erste Überlegungen wurden angestoßen, wie man die Abfallfrage und die Straßenreinigung in Zukunft regeln könnte.

Schon damals wurden gelegentlich Private in eigener Kompetenz mit der Erledigung der Reinigungsaufgaben betraut oder aber die Polizei- oder Kommunalbehörden führten sie mit eigenem Personal durch. In den großen Städten war die organisierte Müllabfuhr dann schon Ende des 19. Jahrhunderts eine ständige Einrichtung. Und noch bis in die 50er Jahre des letzten Jahrhunderts erfolgte diese Müllabfuhr mit Hilfe von Pferden: Schwere Kaltblüter wurden vor einen zweirädrigen Karren gespannt und zogen diesen durch die Straßen, um damit den Inhalt der Müllgefäße aufzuladen.

Abfallentsorgung – Daseinsvorsorge oder Daseinsverantwortung?

Das erste deutsche Abfallgesetz wurde in den 1970er Jahren verabschiedet. Mit diesem Gesetz wurden erstmals die Weichen hin zu einer bundesweit geregelten Deponierung gestellt, um den wilden Müllkippen Einhalt zu gebieten. Auch dieses Abfallgesetz war zunächst durch die vorrangige Ausrichtung auf die Gefahrenabwehr in Bezug auf Umwelt- und Gesundheitsrisiken gekennzeichnet. Schrittweise wurde dafür in den siebziger und achtziger Jahren des 20. Jahrhunderts ein umfängliches Regelungssystem entwickelt.

Durchgängig wurde dabei – wie bereits seit der Gründung der Bundesrepublik – die Abfallentsorgung rechtlich unter den Begriff der Daseinsvorsorge eingeordnet. Bis heute ist heftig umstritten, was eigentlich unter „Daseinsvorsorge“ genau zu verstehen ist. Insbesondere im Ausland stößt diese Diskussion weitgehend auf Unverständnis, da es sich um ein typisch deutsches Phänomen handelt und es nicht einmal für das Wort „Daseinsvorsorge“ als solches eine Übersetzung gibt. So ist auf europäischer Ebene dann auch von „Dienstleistungen im allgemeinen Interesse“ beziehungsweise „Dienstleistungen von allgemeinem wirtschaftlichen Interesse“ die Rede.

Doch was heißt öffentliche Daseinsvorsorge überhaupt? Der Begriff selbst stammt aus dem Jahr 1938 und wurde von dem Staatsrechtler Ernst Forsthoff begründet – in einer Zeit, als es in Deutschland gerade darum ging, die Alleinzuständigkeit des Staates auszubauen und zu festigen. Danach sind Leistungen der Daseinsvorsorge „gemeinwohlorientierte Leistungen wirtschaftlicher und nichtwirtschaftlicher Art, an deren Erbringung die Allgemeinheit und der Staat ein besonderes Interesse haben.“

Es geht also um Verantwortung. Dem Staat kommt die Daseinsverantwortung zu. Nicht die Daseinsvorsorge. Das heißt, er muss dafür Sorge tragen, dass die Leistungen, die für den Bürger wichtig, aber nicht wirtschaftlich sind, erbracht werden. Keineswegs geht es aber darum, privaten Unternehmen, die Arbeitsplätze schaffen und Steuern zahlen, Konkurrenz zu machen.

Das sieht auch der Städte- und Gemeindebund Nordrhein-Westfalen so. Im Mai dieses Jahres stellte er in einem Thesenpapier fest: „Erheblich ist stets, was aus ökonomischer Sicht sinnvoller und für die Aufgabenerfüllung im Interesse der Bürger effektiver ist. Die kommunale Wirklichkeit zeigt, dass es eine Einzelfallentscheidung ist, die jeweils vor dem Hintergrund der konkreten Bedingungen vor Ort getroffen werden muss.“

Insofern ist es an der Zeit, den immer wiederkehrenden Rufen nach Rekommunalisierung in der Daseinsvorsorge zu entgegnen: Nur im freien Wettbewerb, nur wenn der effizienteste und kostengünstigste Anbieter den Zuschlag erhält, ist eine nach modernen Standards effektive Leistungserbringung und stabile Gebührenstruktur zu erreichen. An diesem Wettbewerb möchten wir uns als private Unternehmen gerne beteiligen. Wir haben in der Vergangenheit bei einer Vielzahl von Aufträgen bewiesen, dass wir flächendeckend über eine starke Zuverlässigkeit und Leistungsfähigkeit verfügen. Wir sind bereit.

Der Beitrag der privaten Unternehmen

Neben dem 50-jährigen Jubiläum des Bundesverbandes der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Rohstoffwirtschaft (BDE), das wir nicht zuletzt mit dieser Festschrift feiern, konnten wir in diesem Jahr ein weiteres Jubiläum begehen: Die deutsche Verpackungsverordnung wurde 20 Jahre alt. Mit Einführung dieser Verordnung fand zum ersten Mal die Verursacherhaftung Eingang in die deutsche Abfallgesetzgebung. Die Situation 1991 war vergleichbar mit der Situation, wie wir sie heute in Asien vorfinden: Auf der einen Seite eine starke Einwohnerdichte und hohe Wachstumsraten, auf der anderen Seite kaum eigene Rohstoffvorkommen gepaart mit einer weit verbreiteten „Not in my backyard“-Einstellung zum Thema Abfall.

Mit der Verpackungsverordnung wurden nun erstmalig Anreize zur Vermeidung und zum Recycling von Abfällen geschaffen. Und mit der Geburtsstunde der Verpackungsverordnung stieg auch die wirtschaftliche Bedeutung der privaten Entsorgungsunternehmen für Deutschland. Denn es waren die Privaten, die die Investitionsrisiken der mit der Verpackungsverordnung eingeführten Rücknahme- und Recyclingpflichten übernahmen – schlichtweg, weil die Kommunen diese Risiken nicht tragen konnten oder wollten.

Das damals noch geltende Abfallgesetz wurde 1994 durch das Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetz abgelöst, welches erstmals der Verwertung Vorrang vor der Beseitigung einräumte. Der bereits mit der Verpackungsverordnung eingeschlagene Weg der Produktverantwortung wurde ausgeweitet auf Elektroaltgeräte, Altfahrzeuge, Altöl und Altbatterien. Die Folge waren hohe Verwertungsquoten und ein hochwertiges, umweltverträgliches Recycling für diese Abfallströme.

Dieser Erfolg wäre ohne die private Entsorgungswirtschaft nicht möglich gewesen. Die rechtlichen Vorgaben lieferten den Impuls – die privaten Unternehmen machten sich an die Umsetzung. Sie entwickelten technische Innovationen, sie investierten in neue Technologien, sie riskierten einen immerwährenden Prozess des Sich-Neu-Erfindens.

So auch nach Einführung des Pflichtpfandes im Jahr 2003 oder der Technischen Anleitung Siedlungsabfall (TASi) im Jahr 2005. Aufgrund des Pflichtpfandes mussten neue Sammel- und Verwertungswege gefunden werden und es war – und ist – die private Entsorgungswirtschaft, die sie entwickelt hat und weiter entwickelt; sie betreibt heute beispielsweise erfolgreich Zählzentren für Einweggebinde. Das Deponierungsverbot wiederum führte nicht etwa dazu, dass die Privaten sich hauptsächlich auf die Müllverbrennung konzentrierten. Im Gegenteil, sie setzten mehrheitlich auf Recycling. Wir errichteten moderne Hightech-Sortieranlagen, die in der Lage sind, den Abfall aus den Gelben Tonnen und Gelben Säcken von mehreren Millionen Menschen mit hoher Qualität und Sortenreinheit zu sortieren, so dass der Industrie wertvolle Sekundärrohstoffe für die Neuproduktion von Waren zur Verfügung gestellt werden können. Wir waren die ersten, die die Schonung von Ressourcen vor deren Vernichtung stellten und damit den Grundgedanken der Politik – Verwerten vor Beseitigen – in die Tat umsetzten.

Nur durch dieses Engagement der privaten Entsorgungsunternehmen entwickelte sich die Abfallwirtschaft zu einem großen und leistungsstarken Wirtschaftsfaktor. Seit 1993 wurden von privaten Entsorgungsunternehmen über 30 Milliarden Euro in hocheffiziente Anlagen investiert. Bei Sammellogistik und Aufbereitungsanlagen zur Energierückgewinnung wird das deutsche Know-how weltweit geschätzt. Deutsche Abfalltechnologie ist ein Exportschlager, der global zum Umweltschutz beiträgt.

Auch der Beitrag der privaten Entsorgungs- und Recyclingwirtschaft zum Klimaschutz ist beträchtlich: Allein die ALBA Group konnte mit ihren Aktivitäten im Jahr 2009 nachweislich über 6,3 Millionen Tonnen CO2 im Vergleich zur Primärproduktion einsparen . Das entspricht knapp einem Prozent des deutschen Gesamtausstoßes von 765 Millionen Tonnen Kohlendioxid. Die gesamte Abfallwirtschaft hat in Deutschland seit 1990 rund 56 Millionen Tonnen CO2 eingespart, was rund einem Viertel des Deutschen Kyoto-Ziels entspricht.

Dies war nur möglich, weil Deutschland bewusst den Schritt in eine Teilprivatisierung der Abfallwirtschaft gegangen ist. Die wesentlichen Innovationen zum Recycling von Abfällen waren getrieben von der privaten Abfallwirtschaft, die den Wert von einmal gebrauchten Produkten als kostbare Ressource frühzeitig erkannt hat.

Inzwischen beschäftigt die Branche in Deutschland rund 250.000 Menschen – mit steigender Tendenz. Die durch eine stärkere Automatisierung der Anlagen reduzierte Anzahl von Arbeitsplätzen wird schon heute im Bereich der Entwicklung neuer Recyclingverfahren und -produkte überkompensiert. Neben der klassischen Entsorgungstätigkeit haben private Unternehmen eine Vielzahl weiterer Dienstleistungen entwickelt, sei es im Bereich Logistik, Technologie oder Facility. Schon lange gelten wir nicht mehr bloß als Abfallwirtschaft: Wir sind inzwischen eine Branche, die die deutsche produzierende Industrie mit Rohstoffen versorgt – und sie damit jährlich von teuren Importen in Höhe von rund 12 Milliarden Euro entlastet und so zur wirtschaftlichen Unabhängigkeit Deutschlands beiträgt.

Perspektiven für die Zukunft

Natürlich können wir nicht unbeachtet lassen, dass die durch die Lehman-Pleite ausgelöste weltweite Wirtschaftskrise auch an unserer Branche nicht spurlos vorüber gegangen ist. Der Rohstoffmarkt ist naturgemäß geprägt von äußerst volatilen Preisen. Doch haben wir auf die Krise richtig reagiert und sind so auch für in Zukunft eventuell aufkommende Preisschwankungen gut gerüstet. Wir können optimistisch nach vorne schauen.

Denn die Recyclingwirtschaft ist eine der stärksten Wachstumsbranchen. Das bestätigte erst kürzlich das Institut der deutschen Wirtschaft in einer Studie für den BDE. Darin heißt es, dass unsere Branche in den letzten 15 Jahren jährlich um rund 14 Prozent gewachsen ist – deutlich mehr als die gesamtdeutsche Wirtschaft, die lediglich ein durchschnittliches Wachstum von zwei Prozent pro Jahr verzeichnen konnte.

So identifiziert auch die Bundesregierung selbst die gesamte Umweltdienstleistungsbranche als einen Wachstumsmarkt. Trotz kurzfristig aufgrund der Wirtschaftskrise gedämpfter Entwicklung werde sich, getrieben durch die Megatrends einer wachsenden Weltbevölkerung, der zunehmenden Industrialisierung in den Schwellenländern und des globalen Wohlstandsstrebens, der Umsatz der Umweltindustrien bis 2020 mehr als verdoppeln . Das gesamte „Green Business“ hat heute laut einer Studie von Roland Berger bereits ein Volumen von 213 Milliarden Euro. Bis zum Jahr 2020 werde das Marktvolumen auf 467 Milliarden Euro wachsen. Schon jetzt seien mehr als eine Million Menschen in Deutschland in „grünen“ Branchen und Unternehmen beschäftigt.

Für die EU ist die Recyclingbranche sogar, neben nachhaltigem Bauen oder auch erneuerbaren Energien, einer der sechs Leitmärkte der Zukunft . Als solche sind Branchen definiert, die bestimmte Bedingungen erfüllen: Sie sind besonders innovativ und bieten Lösungen für umfassende strategische, gesellschaftliche, umweltrelevante und ökonomische Herausforderungen. Für alle Leitmärkte verabschiedete die EU Aktionspläne, um dadurch weitere positive Effekte für Wachstum und Beschäftigung zu erzielen. So sollen auch im Bereich des Recyclings Innovationen gefördert und Standardisierungs- und Zertifizierungsprozesse vorangetrieben werden, um die Qualität und Umweltfreundlichkeit sowohl von Recyclingprodukten als auch der Prozesse zu deren Erzeugung sicherzustellen.

Angesichts der aufgestellten Wachstumsprognosen können wir davon ausgehen, dass die Tendenz weiter steigen wird. Mit anderen Worten: Das „Green Business“ – und damit auch die Entsorgungs- und Recyclingbranche – wird sich zum wichtigsten Wirtschaftszweig Deutschlands entwickeln.

Neue Herausforderungen – neue Ziele

Doch all die erzielten Erfolge und positiven Prognosen dürfen uns nicht dazu verführen, die Augen vor dem Wesentlichsten zu verschließen: Uns stehen immens große Aufgaben in der Zukunft bevor. Die gesellschaftlichen Herausforderungen rund um das Thema Rohstoffe und Umwelt nehmen von Tag zu Tag zu. Mit dem Wachstum in den Schwellenländern steigt der Konsum und damit auch die Abfallmenge und der Bedarf an Rohstoffen. Allein China wird im Jahr 2031 voraussichtlich 90 Prozent der Weltproduktion an Papier und Stahl verbrauchen. Bei Rohöl wären es – rein rechnerisch – sogar 110 Prozent. Ohne eine Verbesserung des globalen Abfallmanagements wird die Müllmenge allein durch das Bevölkerungswachstum bis zum Jahr 2020 um ein Sechstel steigen .

Bei den abstrakten Zahlen bleibt es nicht allein. Das Thema Umwelt hat Einzug in den Alltag und das Bewusstsein eines jeden Einzelnen gehalten, sei es durch die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko, den Reaktorunfall in Fukushima oder die Problematik der ansteigenden Benzinpreise. Nicht zuletzt verdeutlichen auch die Befürchtungen um die Auswirkungen des Klimawandels, die erst dieses Jahr durch eine neue Prognose des Arktischen Rates zum deutlich höheren Anstieg des Meeresspiegels in den nächsten 90 Jahren an zusätzlicher Brisanz gewonnen haben, eindringlich: Der Umgang mit endlichen Ressourcen und die bevorstehende Rohstoffverknappung verlangen von uns ein Umdenken, und zwar sowohl in ökologischer als auch in ökonomischer Hinsicht. Von uns – das bedeutet von unserer Branche, von uns als Privatmensch, von uns als Teil der Gesellschaft.

Hier sehen wir die Aufgaben, die uns allen in Zukunft bevorstehen: Als Branche müssen wir uns so aufstellen, dass wir uns dem Wechsel vom Entsorger zum Rohstoffversorger erfolgreich im Wettbewerb stellen können. Als Privatmensch heißt es, dass wir unsere Gewohnheiten hinterfragen und einer kritischen Kontrolle unterziehen müssen. Als verantwortlicher Teil der Gesellschaft heißt es, sich dafür einzusetzen, dass eine geopolitische Veränderung eintritt. Denn durch die eigene Armut an Primärrohstoffen ist Deutschland als Wirtschaftsstandort davon abhängig, neue Rohstoffquellen zu erschließen, die zugleich klimafreundlich und ressourcenschonend sind. Gleichzeitig gilt es, die Rohstoffeffizienz weiter zu stärken.

Stärkung der Rohstoffeffizienz

Wie der amtierende Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft, Hans-Jörg Bullinger, zu Recht in einem Handelsblatt-Artikel vom 31. März dieses Jahres festgestellt hat, bedeutet das vor allem, wirtschaftliches Wachstum vom Rohstoffverbrauch konsequent abzukoppeln. So ließe sich in den nächsten Jahren die Materialeffizienz um rund 20 Prozent steigern, wodurch sich die Rohstoffkosten pro Jahr um 100 Milliarden Euro senken ließen. Als einen wesentlichen Weg, dieses Ziel zu erreichen, nennt auch Bullinger die konsequente Ausrichtung auf ein möglichst vollständiges Recycling. Hierdurch und durch den Einsatz nachwachsender Rohstoffe würden sich neue Chancen für unternehmerisches Handeln eröffnen.

Auch der Rat für Nachhaltige Entwicklung hat erst Mitte dieses Jahres die Vision formuliert, in Zukunft 100 Prozent der Abfälle zu recyceln . Diese konkrete Vision orientiert sich dabei an der Einsicht, dass die Endlichkeit von Rohstoffen eine wirkliche Grenze für das Wirtschaften und den Konsum bedeute, die schon lange vor ihrem Erreichen zu ökonomisch schädlichen und mindestens nicht wünschenswerten Effekten und erheblichen ökologischen Belastungen führe.

Bereits heute ist die Möglichkeit der Steigerung unserer aktuellen Recyclingquote von 63 Prozent evident. Mit einer zusätzlichen Steigerung der Produktverantwortung könnten Hersteller noch viel stärker in die Verantwortung genommen werden, bei der Entwicklung eines Produktes auch an seine Recyclingfähigkeit zu denken. Schon in naher Zukunft braucht es daher Modelle, bei denen jemand, der etwas verkauft, das Produkt an sich gar nicht mehr verkauft, sondern nur die Nutzung an dem Produkt. Dann können am Ende die Rohstoffe wieder in den Kreislauf zurückgeführt werden.

Die ersten Entwicklungen hierzu gibt es bereits. Mit der Automobilindustrie arbeiten wir an Modellen, in denen die Hersteller im Besitz der Rohstoffe im Abfall bleiben – wir kümmern uns um die Erfassungs-Logistik und hochwertige Aufbereitung der Rohstoffe. Da es unserer Branche in der Vergangenheit nicht an Innovationskraft gemangelt hat, sind wir zuversichtlich, dass uns auch in Zukunft nicht die Ideen ausgehen werden, um diese und weitere neue Modelle zu entwickeln, Recyclingquoten zu steigern und so die Rohstoffeffizienz auf ein Maximum zu erhöhen.

Dass im Hinblick auf eine erhöhte Rohstoffeffizienz notwendige Veränderungen herbeizuführen sind, hat auch die Bundesregierung erkannt – und zwar ressortübergreifend. Das zeigt, neben dem angestrebten Kreislaufwirtschaftsgesetz, beispielsweise der Beschluss einer Rohstoffstrategie vom 20. Oktober 2010 und das Vorhaben, ein Deutsches Ressourceneffizienzprogramm – kurz ProgRess – auf den Weg zu bringen. Der hierzu vorliegende Entwurf des Bundesumweltministeriums führt eindrucksvoll aus, dass „die vielfältigen und miteinander verknüpften ökologischen, ökonomischen, gesundheitlichen und sozialen Aspekte der Ressourcennutzung … ein breit angelegtes Programm zum sparsamen und effizienten Umgang mit natürlichen Ressourcen und Rohstoffen (erfordern)“, und dass „die Mengen- und Preisentwicklungen bei den Rohstoffen … von strategischer Bedeutung für den Wirtschaftsstandort Deutschland (sind).“ Und: Neben der Nutzung von übergreifenden Instrumenten und der Orientierung des Konsums auch auf Ressourceneffizienz hat ProgRess außerdem zum Ziel, die ressourceneffiziente Kreislaufwirtschaft auszubauen.

Diese klare Zielsetzung, die durchaus als Anerkenntnis der Leistung der deutschen Abfall- und Recyclingwirtschaft in den vergangenen Jahrzehnten zu werten ist und so auch betont wird, ist unserer Ansicht nach aber auch als klarer Arbeitsauftrag zu werten. Denn wer, wenn nicht wir, die private Recyclingwirtschaft, soll bei diesem Ausbau der ressourceneffizienten Kreislaufwirtschaft voranschreiten und ein Beispiel setzen? Wir müssen und wir werden uns diesem Arbeitsauftrag stellen.

Insofern kehren wir zurück zum Ursprung unserer gesamten Branche, der Gefahrenabwehr. Im nicht-juristischen Sinne werden wir auch zukünftig im Bereich der Gefahrenabwehr tätig sein: Um zu vermeiden, dass unserer Industrie die Rohstoffe ausgehen und damit die wirtschaftliche Unabhängigkeit in Deutschland in Frage gestellt wird.

Herausforderung: Fachkräfte

Bei allen positiven Ausblicken in die Zukunft dürfen wir eines nicht vergessen: Die Nachwuchsförderung in unserer Branche. Deren anerkannte Innovationsfähigkeit ist die Grundlage für die Technologieführerschaft Deutschlands im Bereich der „Green Technologies“. Doch diese Innovationskraft ist abhängig von einer ausgeprägten Basis an Fachkräften. Nur mit gut ausgebildeten Fachleuten wird es uns möglich sein, weiterhin Innovationen zu entwickeln und den Wettbewerb aktiv weiter mitzugestalten.

Der Fachkräftemangel kann schon bald dazu führen, dass wir die wirtschaftlichen Wachstumsprognosen für die „Green Economy“ und den damit einhergehenden Bedarf nicht mehr bedienen können. Wir müssen daher dafür Sorge tragen, dass Schülerinnen und Schüler schon frühzeitig Einblick in das Berufsleben und die neuen Wirtschaftsbereiche erhalten. Wir müssen Chancen und Perspektiven bieten – durch eine ganzheitliche, hochwertige und umfassende Ausbildung. Nur dadurch und mit einem Leitbild des nachhaltigen Handelns und Wirtschaftens können wir unserer Vorbildfunktion als Unternehmer nachkommen.

Ausblick und Vision

Wir sind optimistisch, als Branche den vor uns stehenden Herausforderungen gut gewappnet entgegen treten zu können. Die Recyclingwirtschaft hat Deutschland in der Vergangenheit durch immer neue technische Innovationen zum Recyclingland Nummer 1 gemacht. Diese Position gilt es nicht nur zu halten, sondern auszubauen. Durch die Flexibilität, die uns als private Unternehmen eigen ist, werden wir den von der Bundesregierung formulierten Arbeitsauftrag, für eine ressourceneffiziente Kreislaufwirtschaft zu sorgen, mit der uns eigenen Innovationskraft und Entschlossenheit gemeinsam trotz aller Volatilitäten und gesamtgesellschaftlichen Veränderungen meistern. Davon sind wir überzeugt.

Solange wir uns gleichzeitig unserer gesellschaftlichen Verantwortung weiter bewusst sind, werden wir als private Recyclingwirtschaft für die ökologische, ökonomische sowie soziale Zukunftsfähigkeit Deutschlands sorgen. Eine Perspektive, die uns alle mit Freude und Tatendrang erfüllen sollte.

Wenn in 50 Jahren der 100ste Geburtstag des BDE gefeiert wird, so sind wir der Hoffnung, dass die heute diskutierten politischen Ziele erreicht sein werden: eine nahezu 100-prozentige Recyclingquote und eine Verursacherverantwortung für all diejenigen, die Produkte auf den Markt bringen. Die Entsorgungswirtschaft wird sich weiter zu einer modernen Dienstleistungsbranche vielfältigster Art entwickelt haben, die in einem fairen Wettbewerb mit den Kommunen steht. Wenn wir alle das Verständnis haben, dass wir eine rohstofferzeugende Industrie im Rahmen der Green Economy sind und nicht mehr die Müllabfuhr von gestern, so werden wir gemeinsam neue Ideen entwickeln und umsetzen können. Um diese Vision zu erreichen, haben wir einen starken und engagierten Branchenverband an der Seite, der unsere Positionen mit Sicherheit tatkräftig fördern und unterstützen wird.

Denn eines ist und bleibt sicher: Wir müssen etwas tun, um die Gefahr abzuwenden, morgen ohne Rohstoffe und Wirtschaftskraft in Deutschland dazustehen. Professor Friedrich-Wilhelm Wellmer, langjähriger Präsident der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe, hat einmal einen eindrucksvollen Vergleich gefunden. Er sagte: „Wir sollten Ressourcen wie menschliche Talente behandeln. Keines darf man aufgeben, jedes muss man fördern.“ Eines allerdings unterscheidet Ressourcen und menschliche Begabungen: Bei Talenten weiß man nie, wie sie sich entwickeln. Für die meisten Rohstoffe dagegen gilt: Es gibt davon morgen weniger als heute!

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