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8. Oktober 2012 |

Keine ökologische Überlegenheit von Verpackungen aus Biokunststoff

Umweltbundesamt stellt neue ifeu-Studie vor und kommt zu dem Ergebnis, dass biologisch abbaubare Kunststoffe für Verpackungen, die aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt werden, keinen ökologischen Vorteil gegenüber Verpackungen aus herkömmlichen Kunststoffen haben.
Umweltbundesamt stellt neue ifeu-Studie vor

08.10.2012 – Biologisch abbaubare Kunststoffe für Verpackungen, die aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt werden, haben keinen ökologischen Vorteil gegenüber Verpackungen aus herkömmlichen Kunststoffen. Das ist das Ergebnis einer Studie des Institutes für Energie-und Umweltforschung Heidelberg (ifeu) im Auftrag des Umweltbundesamtes, die heute der Öffentlichkeit präsentiert wurde. Nach Angabe der Wissenschaftler würden durch den Anbau und die Verarbeitung von Pflanzen für diese Verpackungen Böden versauern und Gewässer stärker eutrophieren als durch die Herstellung herkömmlicher Kunststoffverpackungen. Zudem entstünden höhere Feinstaubemissionen. Auch die vermehrt angebotenen Bioplastiktüten hätten keinen Umweltvorteil.

Die Studie sollte vor allem ermitteln, ob die Erleichterungen in der Verpackungsverordnung für bioabbaubare Kunststoffverpackungen aus ökologischer Sicht weiterhin gerechtfertigt sind. Nach § 16 Absatz 2 der Verpackungsverordnung müssen sich Hersteller und Vertreiber solcher Verpackungen nicht an den vorhandenen Rücknahmesystemen für Verpackungen beteiligen. Als Getränkeverpackungen unterliegen sie auch nicht der Pfandpflicht, wenn sie zu mindestens 75 Prozent aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt sind. Vielmehr ist es Herstellern und Vertreibern überlassen, wie sie am effektivsten die von der Verpackungsverordnung geforderte möglichst hohe Verwertungsquote sicherstellen. Diese Sonderregelung, die die Markteinführung von biologisch abbaubaren Kunststoffverpackungen erleichtern sollte, läuft Ende des Jahres aus.

Nach der aktuellen ifeu-Studie schneiden biologisch abbaubare Kunststoffverpackungen aus nachwachsenden Rohstoffen bei der Betrachtung ihres gesamten Lebensweges – von der Herstellung bis zur Entsorgung – nicht günstiger ab als Verpackungen aus herkömmlichen Kunststoffen. Der CO2-Ausstoß fiele zwar geringer aus, ebenso der Verbrauch von Erdöl. In anderen Umweltbereichen komme es aber zu größeren Belastungen – vor allem durch Düngemittel. Verwendet werden diese für die Pflanzen, aus denen die Kunststoffe gewonnen werden. Sie führen zur Eutrophierung von Gewässern und sauren Böden, und zwar in einem in stärkerem Umfang als bei der Herstellung herkömmlicher Kunststoffe. Damit sei auch klar, dass die derzeit vielfach angepriesenen Bioplastiktüten keine Umweltvorteile gegenüber herkömmlichen Plastiktüten mit sich brächten. Wirklich umweltfreundlich seien nur Mehrwegtaschen, etwa Stoffbeutel und Taschen aus anderen langlebigen Materialien.

„Die Studie zeigt, dass sich die Sonderregeln für Biokunststoffe in § 16 Absatz 2 der Verpackungsverordnung nicht bewährt haben. Die Ergebnisse des Forschungsprojekts sprechen dafür, die Sonderregelungen für Verpackungen aus diesen Kunststoffen nicht fortzuführen“, so UBA-Präsident Jochen Flasbarth. „Verpackungen auf der Basis von so genannten Biokunststoffen haben unter dem Strich keine Umweltvorteile. Die Klimabilanz von Biokunststoffen ist zwar günstiger, dafür gibt es Nachteile bei anderen Umweltbelastungen.“

Außerdem stellten die Wissenschaftler fest, dass sich die Verpackungen aus biologisch abbaubaren Kunststoffen im Einzelhandel auch nicht durchsetzen konnten. Im Bezugszeitraum der Studie 2009 hatten die Biokunststoffverpackungen einen Marktanteil von maximal 0,5 Prozent. Insgesamt wurden in Deutschland in 2009 2.645 Millionen Tonnen Kunststoffverpackungen verbraucht.

UBA-Präsident Flasbarth empfiehlt daher auch, „zukünftig Biokunststoffe nur dann zu fördern, wenn deren ökologische Überlegenheit im Vergleich zu herkömmlichen Kunststoffen belegt ist.“ Auch neuartige Kunststoffe wie Bio-Polyethylen, die unter anderem aus Zuckerrohr hergestellt werden, erfüllten diese Kriterien noch nicht in ausreichendem Maße. Ihre Herstellung müsse noch weiter optimiert werden. Einen wesentlichen Beitrag könne dabei auch die Verwendung pflanzlicher Reststoffe leisten. Künftig könnten solche Kunststoffe aber Vorteile gegenüber herkömmlichen Kunststoffen aufweisen. In geringen Mengen werden sie derzeit für Flaschen und Tüten eingesetzt. Biokunststoffe sollten, so das UBA, nach ihrem Gebrauch einfach und ohne großen Energieaufwand recycelt werden können.

Weitere Informationen und Links:
Die Studie „Untersuchung der Umweltwirkungen von Verpackungen aus biologisch abbaubaren Kunststoffen“ hat insgesamt 85 Ökobilanzen, Studien und Fachartikel ausgewertet. Dabei wurden alle Umwelt bezogenen Vor- und Nachteile der jeweiligen Verpackungen berücksichtigt. Darüber hinaus analysiert die Studie die Verwendung von Verpackungen im Einzelhandel, wobei sie die aktuelle Situation, aber auch Prognosen mit einbezieht. Eine FAQ zum Thema finden Sie hier.

Quelle: Umweltbundesamt

(Foto: maksi/fotolia.com)

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