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20. Februar 2018 | Recyclingbranche bietet Know-how für ökologische Produktgestaltung

Fraunhofer-Studie: Mehr Ökodesign erforderlich

Produkte, die schon im Herstellungsprozess auf Recycling getrimmt werden, lassen sich später effizienter und umweltschonender im Kreislauf führen. Soweit herrscht Konsens unter den Experten. Allerdings entsprechen die meisten Erzeugnisse bislang noch nicht diesem kreislaufwirtschaftlichen Ansatz. Das konstatiert das Fraunhofer-Institut UMSICHT in einer aktuellen Studie – und plädiert dafür, das Know-how der Recyclingbranche stärker in die Produktgestaltung einzubinden. Entsprechende Dienstleistungen werden von immer mehr Unternehmen der Branche angeboten.

Was haben ein Allwettermantel aus Bio-Baumwolle, ein komplett recycelbarer Fahrradanhänger und ein Konzept für urbane Elektromobilität gemeinsam? Sie alle wurden nach den Prinzipien des ökologischen Designs entwickelt – und dafür mit dem Bundespreis Ecodesign ausgezeichnet, den die Bundesregierung seit 2012 an nachhaltig durchdachte Produkte, Dienstleistungen oder Ideen vergibt. Die Auszeichnung verdeutlicht den hohen Stellenwert, den Ökodesign heute einnimmt, wenn es um die klima- und ressourcenbewusste Umgestaltung von Wertschöpfungsketten geht.

Enorme Potenziale für Ökodesign in Deutschland

Politisch gewinnt die ökologische Produktgestaltung immer weiter an Bedeutung. So sieht das neue Verpackungsgesetz, das Anfang 2019 in Kraft tritt, erstmals eine konkrete Regelung zum Ökodesign von Verpackungen vor. Im neuen Koalitionsvertrag, den CDU/CSU und SPD ausgehandelt haben, findet Ökodesign ebenfalls explizit Erwähnung: Hersteller müssen danach künftig die Langlebigkeit, Reparierbarkeit und Wiederverwendbarkeit von Produkten stärker berücksichtigen.

Doch bis zu einer ganzheitlichen Kreislaufwirtschaft in Deutschland muss noch viel Potenzial gehoben werden. Das befinden die Experten des Fraunhofer-Instituts UMSICHT in ihrer Studie zum Stand der Kreislaufwirtschaft. Der wesentliche Teil der durch den Menschen produzierten Waren ist den Autoren zufolge derzeit erst „bedingt kreislauffähig“ – ob aus technologischen, wirtschaftlichen oder gesellschaftlichen Gründen. Dennoch: „Das Ziel einer zirkulären Wirtschaft muss sein, dass möglichst viele Produkte so konstruiert werden, dass am Ende des Lebenszyklus wertstoffhaltiges Material zurückgewonnen werden kann.“

Mit acht Prinzipien zur idealen Kreislaufwirtschaft

Den Fraunhofer-Experten zufolge müssen künftig die folgenden acht Prinzipien einer Kreislaufwirtschaft noch stärker Berücksichtigung finden – darunter auch das Ökodesign

  1. Die Verringerung des Ressourcenbedarfs durch Kreislaufführung von Rohstoffen.
  2. Eine möglichst lange Nutzungsdauer von Produkten und ihre schnelle Rückführung in den Kreislauf zum Ende der Nutzungsdauer.
  3. Eine möglichst effiziente Verwertung durch mehrstufige Wieder- und Weiterverwendung, werkstoffliches und rohstoffliches Recycling. 
  4. Eine recyclinggerechte Gestaltung von Produkten, die ihre Kreislaufführung bei minimalen Verlusten in Bezug auf Menge, Wert und Qualität ermöglicht.
  5. Die Vermeidung von Kreislaufverlusten sowie eine energetische Verwertung oder ausreichend gute Abbaubarkeit von Stoffen, bei denen sich Kreislaufverluste nicht vermeiden lassen.
  6. Die Vermeidung einer Anreicherung von Inhaltsstoffen, die zu späteren Zeitpunkten als Schadstoff wirken oder die Kreislaufführung erschweren.
  7. Die Minimierung des Energieeinsatzes zur Aufrechterhaltung des Kreislaufsystems und seiner Teilbereiche bei gleichzeitiger Verwendung erneuerbarer Ressourcen (bei Biomasse: nachhaltige Erzeugung).
  8. Die breite Anwendbarkeit des Konzepts auf Regionen, Branchen, Unternehmen und Produkte gleichermaßen.

Ein an Recycling ausgerichtetes Produktdesign sowie veränderte Nutzungsarten wie etwa Reuse oder Refurbishment am Ende des ersten Lebenszyklus, so das Kalkül der Autoren, wirken sich sowohl auf die Lebensdauer der Produkte als auch auf deren generelle Verwertungsmöglichkeiten aus. Weitere Beispiele seien Leasing oder Sharing-Modelle. Hier sehen die Experten es als entscheidend an, die in Neuprodukten eingesetzten Materialzusammensetzungen und Designinnovationen zu überwachen.

Know-how der Recyclingbranche nutzen

Um die Produktion künftig noch effektiver in Richtung Ökodesign auszugestalten, drängen die Autoren der Studie auf „eine aktive Teilnahme und Einbringung von abfallwirtschaftlichem Know-how in die Produktgestaltungsprozesse“. Der Umweltdienstleister Interseroh, der zum Recyclingspezialisten ALBA Group gehört, bietet bereits eine entsprechende Dienstleistung für die Verpackungsoptimierung an. Das Unternehmen analysiert unter dem Motto „Made for Recycling“ für seine Kunden die Wertschöpfungskette ihrer Verpackungen – inklusive der Entsorgungs- und Verwertungsprozesse. Im nächsten Schritt wird ein praktikables Konzept zur Verbesserung der Recyclingfähigkeit erarbeitet.

In Zeiten zunehmender Rohstoffknappheit und steigender Bedeutung von Recycling-Labeln werden Produkthersteller sich künftig verstärkt mit dem Thema Ökodesign auseinandersetzen müssen. Hier können Unternehmen der Recyclingbranche den Herstellern mit ihrer langjährigen Expertise zur Seite stehen – und in gemeinschaftlicher Arbeit moderne Produkt- und Designanforderungen mit Recyclingfähigkeit faktisch verbinden. (KR)

Verwandte Links

  1. Die Verpackung von morgen. Ein Expertengespräch
  2. Studien fordern Wandel zu Kreislaufwirtschaf
  3. Mit Ökodesign zur Energiewende – die Zeit drängt

(Foto: Syda Productions/fotolia.com)

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